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Zusammenfassung der Literaturberichte
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Zusammenfassung der Literaturberichte (Stand: Dezember 2005):
„Rückwanderung
als dynamischer Faktor für ostdeutsche Städte"
„Bevölkerungsmagnet familienfreundliche Hochschule"
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Zusammenfassung Literaturbericht "Rückwanderung als dynamischer
Faktor für ostdeutsche Städte"
Die Gründe
für Abwanderung sind vielfältig, und ebenso vielfältig
können die Gründe für eine Wiederkehr sein. Die Erkenntnisse
aus dem vorliegenden Literaturbericht bestätigen, dass nicht Arbeit
und Einkommen allein ausschlaggebend für eine Wanderungsentscheidung
ist. Gerade in Bezug auf Familienfreundlichkeit von Kommunen und Betrieben,
gute (Weiter-) Bildungsmöglichkeiten und Mitwirkungsangebote im
Bereich des gesellschaftlichen Engagements werden Potenziale gesehen,
welche die Bindung an eine Region stärken und ihre Attraktivität
erhöhen können. Hieraus können tragfähige und dauerhafte
soziale Netzwerke entstehen, die zum einen Haltefaktoren für die
Bevölkerung vor Ort darstellen und zum anderen auf Abgewanderte
eine Anziehungskraft ausüben.
Auf Grundlage des synoptisch zusammengefassten Materials wurden mögliche
Typen von Rückwanderern identifiziert. Hier einige Beispiele:
- „Erfolgreich
abgewanderte Rückwanderer“: Existenz- oder Unternehmensgründer,
die nach einer erfolgreich verlaufenden beruflichen Tätigkeitsphase
im Westen ihre Erfahrungen, ihr Wissen und/oder ihr Kapital in ihrer
Heimatregion einbringen wollen.
- „Studiumsrückkehrer“
/ „Ausbildungsrückkehrer“: Nach Abschluss von auswärtigem
Studium oder Ausbildung zurückkehrende Absolvent/innen bzw. Facharbeiter/innen,
die aufgrund noch bestehender Bindungen nach Ostdeutschland zurückkehren.
- „Senioren-Rückkehrer“,
die nach Abschluss ihrer Berufslaufbahn wieder in die Heimat zurückkehren
und die genügend Zeit sowie Kapital mit sich bringen, um zum
einen die Nachfrage zu stabilisieren und zum anderen aktiv in der
Gesellschaft tätig zu werden oder sich eine zweite berufliche
Wunschexistenz aufzubauen.
Als wichtigste
Maßnahme zur Förderung von Rückwanderung wird der Aufbau
einer Netzwerkagentur zur Aufrechterhaltung und zum Aufbau sozialer
und geschäftlicher Kontakte vorgeschlagen. Ziel ist es, die persönlichen
und auch geschäftlichen Beziehungen der Abgewanderten mit ihrer
Heimatregion zu pflegen. Es geht darum, potenziellen Rückkehrern
Hilfestellungen bei ihrer Entscheidungsfindung zu geben und Sicherheit
durch den Erfahrungsaustausch mit Gleichgesinnten zu vermitteln. Eine
wichtige Aufgabe einer „Relocation-Agentur“ ist es, den
geplanten Standortwechsel zu koordinieren und zu organisieren. Daraus
ergeben sich folgende Aufgaben:
- Qualifizierte
Unterstützung im administrativen wie privaten Alltagsmanagement,
z.B. bei der Arbeitsplatz- und Wohnungssuche, bei Behördengängen
(Meldeamt, Finanzamt, Post etc.), bei der Suche nach Schul- und Kindergartenplätzen
für die Kinder sowie bei Informationen über kulturelle Angebote
und Freizeitmöglichkeiten.
- Da die
Wanderungsentscheidung häufig im Partner- oder Familienkontext
getroffen wird, spielt die Unterstützung der Ehe- bzw. Lebenspartner
bei der Suche nach einer adäquaten Beschäftigung eine wichtige
Rolle.
- Für
den IT-Bereich hat sich gezeigt, dass das Internet inzwischen als
das wichtigste Vermittlungsmedium bezeichnet werden kann. Die Maßnahmenidee,
im Rahmen des Projekts ein internetbasiertes Vermittlungsangebot anzuregen,
kann somit als erfolgversprechend bewertet werden.
- Insbesondere
für kleine und mittlere Unternehmen kann bei der Rekrutierung
von Arbeits- und Fachkräften eine als Stellenpool fungierende
Internetplattform sehr hilfreich sein, da ihnen häufig die Kapazität
fehlt, um außerhalb der Region nach Arbeitskräften zu suchen
und so in den Austausch mit rückkehrwilligen Abgewanderten zu
kommen.
- Kooperationen
von Hochschulen und Forschungseinrichtungen mit den Regionen, in die
abgewandert wurde, sollten ausgebaut werden. Darüber hinaus bietet
es sich an, abgewanderte Hochqualifizierte in Firmennetzwerke einzubinden,
die bereits durch Firmensitze oder Direktinvestitionen in der Heimatregion
engagiert sind.
Die untersuchten
Beispiele zeigen u.a., dass sich auch in weniger prosperierenden Regionen
Rahmenbedingungen schaffen lassen, die sich positiv sowohl auf Wanderungsbewegungen
als auch auf die Geburtenraten auswirken. Mit Blick auf die Zu- oder
Rückwanderung von Arbeitskräften spielen nicht nur Netzwerke
und die professionelle Unterstützung bei der Wanderung eine wichtige
Rolle. Von großer Bedeutung sind auch attraktive Rahmenbedingungen
für Fachkräfte, Unternehmen und Selbständige. So kann
ein geringer Verwaltungsaufwand unter Umständen zum Standortfaktor
für die (Wieder-) Ansiedlung eines Unternehmens oder für eine
Existenzgründung werden.
Zusammengefasst werden Offenheit und Durchlässigkeit immer mehr
zu Schlüsselbegriffen für einen erfolgreichen wirtschaftlichen
und sozialen Strukturwandel. So wird die Attraktivität ostdeutscher
Städte und Gesellschaften u.a. davon abhängen, wie offen sie
Neuem entgegen treten, wie schnell und flexibel sie auf neue Entwicklungen
reagieren und ob sie in der Lage sind, ihre ordnungspolitischen, sozioökonomischen,
politischen und institutionellen Rahmenbedingungen anzupassen.
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Zusammenfassung
Literaturbericht „Bevölkerungsmagnet familienfreundliche
Hochschule“
Welchen
Zusammenhang gibt es zwischen „familienfreundlicher Hochschule“
und regionaler Entwicklung?
- Hochschulen
gelten als ein herausragender Faktor regionaler Wirtschaftsentwicklung,
weil sie den Wissenstransfer zwischen Forschung und Praxis befördern
und damit zu Innovativität und Wettbewerbsfähigkeit der
Unternehmen beitragen.
- Durch
Ausgründungen aus Universitäten werden wissensintensive
Firmen in der Region angesiedelt.
- Die akademischen
Gründungen sind statistisch überdurchschnittlich erfolgreich
und garantieren damit langfristig zukunftsfähige Arbeitsplätze.
- Das
Potential von Hochschulen für die Regionalentwicklung kann insbesondere
in Ostdeutschland durch eine familienfreundliche Ausrichtung von Hochschulen
noch erhöht werden. Die wirtschaftliche Entwicklung in diesen
Regionen ist unter anderem dadurch beeinträchtigt, dass Hochschulabsolventen
abwandern, wodurch das Humankapital mit seinem Potential für
die wirtschaftliche Entwicklung der Region nicht mehr zur Verfügung
steht. Durch entsprechende Maßnahmen kann die Familiengründung
während des Studiums - also vor der Abwanderungsentscheidung
- erleichtert werden. Familien sind in diesem Zusammenhang ein wichtiger
Haltefaktor.
- Gerade
gut ausgebildete junge Frauen wandern überproportional häufig
ab. Durch die Implementation familienfreundlicher Maßnahmen
an Hochschulen erhöhen sich für diese Gruppe die Chancen
auf Verwirklichung des individuellen Lebenswunsches nach eigenen Kindern.
Deshalb ist zu erwarten, dass sich dies als Haltefaktor erweist.
- Weiche
Standortfaktoren sind wichtige Haltefaktoren und können sogar
als Pullfaktor im Wettbewerb um SpitzenwissenschaftlerInnen wirken.
Zu diesen weichen Standortfaktoren zählen an erster Stelle Bedingungen,
die den Alltag der Partner und Kinder bestimmen, wie Möglichkeiten
für Dual-Careers, Kinderbetreuungsmöglichkeiten, Schulauswahl,
Vereinsleben etc. Maßnahmen, durch die die Vereinbarkeit von
wissenschaftlicher Tätigkeit und Familie erhöht wird, sind
hierbei ein wichtiger Beitrag der Hochschulen.
- Die Regionalentwicklung
ist sowohl von einer Stabilisierung der Bevölkerungsentwicklung
abhängig als auch vom Qualifikationsniveau der vorhanden Arbeitskräfte.
In Anbetracht des erwarteten Fachkräftemangels ist es unerlässlich
Rahmenbedingungen zu schaffen die beide Ziele vereinbaren. Gegenwärtig
wirkt sich Hochschulbildung negativ auf die Fertilität aus und
vice versa.
Warum
bleiben etwa 30% der Akademikerinnen kinderlos?
- Nicht
weil sie sich erst in einem Alter dazu entscheiden, in dem das Kinderkriegen
aus biologischen Gründen schwierig wird.
- Weil
sie keine passenden Partner zum heiraten und für die Familiengründung
finden.
- Eine
hohe Investition in das individuelle Humankapital führt zu einer
hohen Berufsorientierung, die wiederum häufig zu einer Entscheidung
zwischen Beruf oder Kind führt. Hintergrund für das ambivalente
Verhältnis beider Lebensbereiche sind sowohl die schlechte Vereinbarkeit
von Beruf und Familie als auch die persönlichen Ansprüche
an die Ausfüllung der Mutterrolle, die mit dem Anspruch auf Verfügbarkeit
der Arbeitskraft in akademischen Berufen kollidiert.
- Zu Beginn
des Studiums wird noch kein Konflikt zwischen Beruf und Familie gesehen.
Insofern wäre es für Studentinnen günstig, sich den
Kinderwunsch bereits im Studium zu erfüllen.
Warum
bekommen Studierende keine Kinder im Studium?
- Die
Studierenden verhalten sich konform zum tradierten Lebenslaufmuster,
das eine gesicherte Existenz zur Voraussetzung der Familiengründung
erfordert. Sie wollen zwar bis auf wenige Ausnahmen eigene Kinder,
aber erst, wenn sie sich beruflich etabliert haben (Männer) bzw.
soviel berufliche Erfahrung gewonnen haben, dass sie nach einem Erziehungsurlaub
auch wieder in den Job zurückkehren können.
- Unter
den gegenwärtigen Voraussetzungen ist die Familiengründung
im Studium auch wenig empfehlenswert, denn sie ist mit einem hohen
Risiko des Studienabbruchs, der erheblichen Verlängerung der
Studiendauer und eines schwierigeren Berufseintritts verbunden.
Ist
die Familiengründung (angehender) Akademikerinnen ein relevantes
Forschungsthema?
- Das
Thema hat an Relevanz gewonnen, weil sich die Bildungsbeteiligung
von Frauen in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich erhöht
hat.
- Die
weitere Erhöhung der Quote akademisch qualifizierter Frauen ist
wegen des zu erwartenden Fachkräftemangels notwendig. Gegenwärtig
wirkt sich die Qualifizierung aber negativ auf das Gebärverhalten
oder dieses negativ auf die Teilnahme am Arbeitsmarkt aus.
- Gesellschaftliche
Eliten haben auch eine Trend- und Vorbildfunktion. Schon heute gibt
es im Milieu der konkurrierenden Optionen, in dem gehobener Lebensstandard
contra Kinder steht, die zweithöchste Kinderlosenquote (Dorbritz).
Bleiben
durch familienfreundliche Maßnahmen weniger Akademikerinnen kinderlos?
- Vermutlich
hat die Implementation familienfreundlicher Maßnahmen keinen
messbaren Effekt, denn die mangelnde Neigung zur Familiengründung
im Studium beruht nicht etwa auf der (berechtigten) Sorge, dass sich
Studium und Kind schlecht vereinbaren lassen, sondern darauf, dass
Studierende während der Ausbildungsphase keine Kinder bekommen
wollen.
- Sozialpolitische
Maßnahmen sind trotzdem notwendig, da der Staat mit seinem Ausbildungsmonopol
auch eine gewisse Fürsorgepflicht wahrnehmen sollte, die die
Umsetzung des vorhandenen Kinderwunsches ermöglicht - zumal Geburten
wegen der demografischen Entwicklung gesellschaftlich erwünscht
sind.
- Um einen
Effekt zu zeigen, müssten die sozialpolitischen Maßnahmen
aber mit einem Leitbild ergänzt werden, dass die frühe Elternschaft
propagiert.
- Eine
familienfreundliche Ausrichtung von Hochschulen könnte sich auf
die Kinderzahl auswirken, denn die beim ersten Kind erfahrenen Alltagsschwierigkeiten
und Benachteiligungen halten möglicherweise viele vom eigentlich
erwünschten zweiten Kind ab.
Ansatzpunkte
für Maßnahmen für eine familienfreundliche Hochschule
- Sozialpolitische
Maßnahmen, wie sie etwa im Konzept des Audits Familienfreundliche
Hochschule systematisiert worden sind, sind sinnvoll.
- Sinnvoll
ist aber auch eine Ergänzung durch ein neues Leitbild: Familie
zu haben ist normal, bereichernd, aufregend und erwünscht.
- Zielgruppe
des neuen Leitbildes müssen Männer ebenso sein wie Frauen.
Denn erstere sind die Partner, mit denen Familie gelebt wird oder
entscheiden im Universitätsalltag als Dozenten, Professoren und
Prüfer über die Ausgestaltung von Ermessenspielräumen,
die für Studierende oder WissenschaftlerInnen mit Kindern genutzt
werden können oder auch nicht.
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